Gerade bin ich über eine ältere Diskussion zur Wahl des Unworts des Jahres gestolpert. Dort ging es um Vorschläge von potentiellen Unwörten, zwei davon stossen mir heute noch sauer auf: Selbstverantwortung und Reform. Warum?
Weil diese Wörter ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben und immer noch – meist von Politikern und Managern – schamlos missbraucht werden. Um’s mal krass auszudrücken, haben die angesprochenen Begriffe heute wohl eher folgende Bedeutung:
mehr Selbstverantwortung => wir werden jetzt mal wieder bestehende Leistungen drastisch kürzen; sieh zu, wie Du damit zurecht kommst. Zynismus pur …
Reform => Kürzung, Benachteiligung, Verschlechterung bestehender Zustände. Früher stand das Wort mal für Neuorientierung; hin zu besseren Lösungen.
Ebenfalls sehr grauselig waren solche Wortschöpfungen aus den Führungsetagen hauptsächlich großer Unternehmen wie z.B. Freisetzung:
einen Arbeitnehmer freisetzen (auf gut deutsch: rausschmeissen) bzw. ihn dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stellen … das ist wirklich unterste Schublade; den Menschen wie ein Stück Vieh auf dem nächsten Viehmarkt erneut zum (aus)schlachten anbieten … bei solchen Unwörtern und deren Schöpfern wird mir einfach nur noch übel.
Vielleicht aber hat der eine oder andere mal über solche Unwörter und Schlagwörter, die Politiker hauptsächlich in Wahlkämpfen von sich geben, mal nachgedacht und sein Kreuzchen auf dem Stimmzettel dementsprechend platziert? Vielleicht überlegt sich ja auch mancher potientielle Nichtwähler, doch zur Wahl zu gehen und seinen Stimmzettel zum Denkzetel zu machen? Tatsache ist, daß es bei den Landtagswahlen 2009 in Thüringen, Sachsen und dem Saarland zu einigen Überraschungen kam. Und die Bundestagswahl steht kurz bevor: das wird sicher noch sehr interessant werden …





